Wie zeigt sich der Jahrgang 2022 in Lagen wie Haart und welche Stilistik ist zu erwarten?
Der Jahrgang 2022 brachte in vielen deutschen Anbaugebieten eine sehr reife, aromatisch dichte Stilistik mit guter Säurestruktur. In Lagen mit geschützter Südausrichtung wie Haart sind typisch präsente Fruchtnoten (gelbe Früchte, reifer Pfirsich, Aprikose) und bei Rotweinen kompakte Beerenaromen zu erwarten. Boden- und Mikroklima ­entscheiden über Feinheit und Reifepotential: Kalkhaltige Parzellen liefern Spannkraft und Mineralität, schwere Lehmböden mehr Extrakt. Bekannte Weingüter wie Weingut Keller, Dr. Bürklin‑Wolf oder Reichsrat von Buhl demonstrierten in 2022 oft, wie sorgsame Traubenwahl und schonende Weinbereitung zu sehr ausgewogenen Ergebnissen führen können. Für die Trinkreife bedeutet das: viele 2022er sind früh zugänglich, zeigen aber bei besseren Lagen und Trauben (z. B. Riesling GG oder trockene Spätburgunder) ein gutes Entwicklungspotenzial über 5–15 Jahre.