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Unbedingt anhören. Aber nur mit Wein im Glas🍷
Für ein seriöses Verkostungs-Setup während eines Weinpodcasts empfiehlt sich ein neutrales Glas (Burgunder- oder Universalglas je nach Rebsorte), kontrollierte Trinktemperaturen (Weiß 8–12 °C, Rosé 10–12 °C, Rot 14–18 °C), saubere Gläser ohne Seifenreste und kleine Spuckgefäße bei längeren Sessions. Notizen, eine kohärente Verkostungsreihenfolge (leicht nach schwer) und Blindproben helfen, subjektive Erwartungshaltungen zu reduzieren. Hintergrundgeräusche vermeiden und Wasser sowie neutrale Cracker bereitstellen, um den Gaumen zu reinigen.
Atmosphäre beeinflusst die Wahrnehmung stark: Kleidung, Raumtemperatur, Hintergrundgeräusche und Erwartungshaltungen können Aromen intensiver oder schwächer erscheinen lassen. In informellen Settings („Adiletten‑Mentalität“) kann die Offenheit zu ungezwungeneren Beschreibungen führen, gleichzeitig sinkt Reproduzierbarkeit. Für seriöse Vergleiche empfiehlt es sich, blind zu verkosten, standardisierte Gläser zu verwenden und Verkostungsbedingungen (Temperatur, Reihenfolge) zu kontrollieren – so bleibt die Aussagekraft erhalten, auch wenn die Stimmung locker ist.
Ullage beschreibt den Füllstand in der Flasche. Standardkategorien sind HF (High Fill, perfekter Füllstand), IN (Into Neck, sehr gut), TS (Top Shoulder, akzeptabel bei >15–20 Jahren), VHS (Very High Shoulder, erste Oxidationszeichen möglich), MS/LS (Mid/Low Shoulder, erhöhtes Risiko für oxidierte oder verdorbene Weine). Bei Auktionen und Kaufentscheidungen ist eine Fotodokumentation des Füllstands wichtig; leichte Rückgänge bei alten Flaschen sind normal, starke Absenkungen deuten auf mögliche Luftzufuhr und Qualitätsverlust hin.
Ja. Im Burgund sind Mikroterroirs und einzelne Parzellen (Premier/Grand Cru) zentral; die Appellationsstruktur belohnt kleinräumige Unterschiede (Cru-Konzept, AOC/AOP). Bordeaux arbeitet stärker mit Assemblagen und klassifiziert oft Weingüter (Classifications) statt einzelner Parzellen; hier dominieren Bodenmischungen und Rebsortenkompositionen. In Deutschland spielt die Lagenbezeichnung (Grosse Lage/GG, Erste Lage, Kabinett bis TBA) und das Prädikatssystem eine größere Rolle; Riesling zeigt terroirspezifische Mineralität besonders bei Schiefer- und Lössböden. DOC/DOCG, AOC und andere Systeme regeln Herkunft und Qualitätsstandards länderspezifisch.
Langfristige Lagerung erfordert konstante Temperatur (11–14 °C), relative Luftfeuchte 60–75 %, minimale Licht- und Vibrationsbelastung und Lagerung liegend, damit Korken feucht bleiben. Bordeaux- und Burgund-Rotweine profitieren oft von 10–30 Jahren Flaschenreife je nach Appellation und Produzent (Château Margaux, Château Lafite Rothschild, Domaine de la Romanée-Conti), Rieslinge von Weingut Keller können bei kühler Lagerung mehrere Jahrzehnte reifen. Original-Holzkisten (OHK/OWC) und dokumentierte Provenienz erhöhen Werthaltigkeit im Sekundärmarkt.
OHK steht für Original-Holzkiste, OC für Original Case und OWC für Original Wooden Case. Diese Begriffe beschreiben die ursprüngliche Verpackung einer Abfüllung. Eine intakte OHK/OWC erhöht die Attraktivität bei Auktionen und Zweitmarktverkäufen, weil sie bessere Provenienz indiziert und Transport sowie Flaschenetiketten schützt. Für Sammler und Investoren sind Originalverpackungen ein Qualitätsmerkmal, das sich preislich niederschlagen kann – insbesondere bei älteren Jahrgängen und Prestigeprodukten wie großen Bordeaux oder Burgund-Raritäten.
Terroir bezeichnet das Zusammenspiel von Boden, Mikroklima, Hangneigung, Hydrologie, Rebenmaterial und klassischer Weinbergspflege, das einem Wein seine individuelle Handschrift verleiht. In Bordeaux etwa zeigen ton- und kieshaltige Böden Cabernet Sauvignon-eigene Struktur und Lagerfähigkeit (Château Margaux, Château Lafite Rothschild), während im Burgund Kalk- und Mergelböden Pinot Noir zu subtiler Aromatik und feiner Textur formen (Domaine de la Romanée-Conti). Auch in deutschen Lagen wie denen von Weingut Keller prägt Schiefer und Löss den Riesling mit steiniger Mineralität und hoher Säure. Winzerentscheidungen (Rebschnitt, Ertragsbegrenzung, Erntezeitpunkt) verstärken oder mildern die terroirtypischen Signale.
Kritikerbewertungen (Robert Parker/Wine Advocate, James Suckling, Vinous/Antonio Galloni u.a.) beeinflussen Nachfrage und Preisentwicklung stark: hohe Punktzahlen erhöhen Sichtbarkeit und Marktinteresse, insbesondere bei Bordeaux-En Primeur-Kampagnen oder limitierter Burgundware. Für Anleger sind Konsistenz der Bewertungen, Reputation des Weinguts (z. B. Château Lafite Rothschild, Domaine de la Romanée-Conti) und Jahrgangscharakteristika entscheidend. Dennoch sollten Anleger immer Lagerfähigkeit, Provenienz und reale Handelsumsätze prüfen – Punkte allein garantieren keine Wertsteigerung.